Maria Jerchel/Jens Peter Kutz: Frankfurt - Wie im Film. Ein Stadtporträt in 99 Kinofilmen. 220 Seiten, 99 Abbildungen, 2 Karten. Hardcover.
Cocon-Verlag, Hanau 2018. 16,80 Euro.

ISBN 978-3-86314-368-8
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!! AUSSTELLUNG !!

5.10.2018
bis
3.1.2019

im
Deutschen Filmmuseum
Schaumainkai 41
60596 Frankfurt a.M.

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Ein Stadtverführer (hr2)

Das ist höchst überraschend und unterhaltsam, einfach großes Kino.
  (F.A.Z.)

Eine Hommage an das ganz große Kino. (FNP)
Deutscher Fotobuchpreis 2018/19 - Longlist

DIE FOTOS

Auf der Grundlage der Tabelle, die alle wesentlichen Informationen enthält, die für die einzelnen Fotos relevant sind, hat Jens Peter die Aufnahmen gemacht. Den Fotorucksack gepackt mit seiner Olympus OM-D E-M1 und einer Palette an Objektiven vom Weitwinkel bis zum Tele, ging es wieder und wieder kreuz und quer durch Frankfurt. Immer dabei waren die ausgedruckten Screenshots der entsprechenden Filme, damit man sich vor Ort noch einmal die betreffende Originalszene vergegenwärtigen konnte.

Die Projektphase "Fotografieren", die sich größtenteils auf das Jahr 2015 (mit einigen Nachzüglern 2016) erstreckte, war sehr spannend. Man ist viel in der Stadt herumgekommen, hat viele neue Ecken entdeckt oder alte, bekannte Ecken neu kennen gelernt. Stets den Wetterbericht im Kopf und den Blick gen Himmel gerichtet, galt es, die geeigneten Momente abzupassen. Das richtige Licht, das richtige Wetter, die richtige Tageszeit. Das erforderte, gelegentlich auch schon mal um 5 Uhr Morgens zum Sonnenaufgang an der Location zu sein (z.B. für ROCKY) oder aber mitten in der Nacht (für COLLATERAL). Mit dem Wetter hatten wir 2015 immerhin Glück. Es war ein eher warmes und trockenes Jahr, was uns sehr gelegen kam: Die meisten Filme spielen dann doch eher bei gutem Wetter, als bei Regen...

Aufnahmen für rund 170 Filme wurden auf diese Weise nach und nach fotografiert. Ein paar besondere fotografische Momente sind in Erinnerung geblieben:

E.T. - DER AUSSERIRDISCHE

(Steven Spielberg, US 1982)

Für das E.T.-Foto wurde Frankfurts höchste natürliche Erhebung, der Lohrberg, zweimal erklommen: Die ursprüngliche Absicht war, in Richtung Südwesten, d.h. in Richtung Innenstadt (Skyline) zu fotografieren. Dieses Motiv wäre visuell schon recht nah an der Filmszene gewesen. Doch ein flüchtiger Blick zur Seite während dieses Fotoshootings offenbarte ein noch besseres Motiv: in Richtung Südosten lag einem L.A. zu Füßen! Die schnurgeraden Straßen im Gewerbegebiet Fechenheim Süd suggerieren noch weitaus mehr als der Blick gen Innenstadt die kalifornische Metropole und bilden die entsprechende Filmszene nahezu 1:1 ab. Da die Sonne zu diesem Zeitpunkt aber schon lange untergegangen war und es bereits zu dunkel wurde, konnte das Foto vom neuen Standort beim ersten Mal noch nicht geschossen werden. Deshalb brach Jens Peter ein paar Tage später noch einmal auf, um jetzt das perfekte Foto zu knipsen. Aber wie beim ersten Mal, war er auch jetzt nicht alleine: Begleitet wurde er von der nur wenige Zentimeter großen E.T.-Spielzeugfigur, die vor der Kamera platziert wurde - auf unser "L.A." hinunterblickend.

JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES

(Steven Spielberg, US 1981)

Für das Indiana-Jones-Foto sind wir zu zweit losgezogen: Üblicherweise hat Jens Peter die Fotos alleine geschossen, aber dieses Mal stand Maria am Auslöser. Denn Jens Peter hat Lederjacke und Hut angezogen und sich auf die Suche nach dem verlorenen Schatz begeben. Und ihn gefunden, wie das Foto im Buch zeigt. Die Requisite: ein mit Goldfarbe angemalter Buddha-Kopf aus Plastik. Der Ort: die denkmalgeschützte künstliche Grotte im Palmengarten. Die Grotte wird nicht von übermäßig vielen Besuchern frequentiert, aber die wenigen, die während unseres Fotoshootings vorbeikamen, mögen sich ihren Teil gedacht haben... Leider ist der Zutritt zur Grotte zur Zeit versperrt. 1869 errichtet, ist sie inzwischen doch arg marode geworden, einige Brocken hatten sich aus dem Bauwerk gelöst und waren auf den Weg gefallen. Es ist zu hoffen, dass sie bald saniert und wieder eröffnet wird. Ein Ort, wie gemacht für große und kleine Abenteurer...

HEAT

(Michael Mann, US 1995)

Das spektakuläre Foto vom Rollfeld des Frankfurter Flughafens mit dem sich dramatisch aus dem Blickfeld schiebenden Flugzeug ist mit sehr viel Glück entstanden. Und zwar auf einer vom Veranstalter Frankfurter Stadtevents angebotenen Flughafen-Besichtigungstour der besonderen Art: "Frankfurt Airport by night - Flughafen-Rundfahrt durch das abendliche Lichtermeer". Eine 2-stündige Flughafen-Rundfahrt mit dem Bus, ganz nahe an den Start- und Landebahnen. An einer Stelle am Ende der Bahnen bleibt der Bus eine Weile stehen und lässt die landenden Flugzeuge über sich hinweg brettern - eine beeindruckende Vorführung für die Teilnehmer der Rundfahrt. Die Bilder vom Showdown in HEAT im Hinterkopf, wurde geistesgegenwärtig die Kamera gezückt - genau im richtigen Augenblick. Dass zwischen dem Motiv und der Kameralinse die Fensterscheibe eines Busses lag, sieht man dem Foto nicht an. Im Gegenteil, man gewinnt fast den Eindruck, direkt auf dem Rollfeld herumzuschleichen, so nah und distanzlos mutet das Foto an. Ein Foto voller Dramatik, entstanden auf einer Tour voller Dramatik - fast wie im Film.

BLAIR WITCH PROJECT

(Daniel Myrick/Eduardo Sánchez, US 1999)

Dieser in jeder Hinsicht außergewöhnliche Film spielt virtuos mit den Instrumenten des Dokumentarfilms. Er tut so, als zeige er authentische Aufnahmen, mit verwackelter Handkamera gedreht, obwohl alles inszeniert ist. Und ausgerechnet bei diesem Motiv haben wir nichts dazugetan. Es ist nichts inszeniert, keine Requisite wurde verwendet, wir haben nichts in Szene gesetzt. Man könnte höchstens anmerken, dass der Frankfurter Niedwald nicht schwarzweiß ist. Zumindest am Tage. Die geheimnisvolle Konstruktion aus Ästen, die unser Foto im Buch zeigt - in gespenstischer Weise an diejenigen Astgebilde aus dem Film erinnernd -, haben wir tatsächlich dort genau so vorgefunden. Ob es im Frankfurter Niedwald Hexen? Wir wissen es nicht.